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26.12.

Die Weihnachtsgeschichte: Christinchen

Teil 1

Verlobung unterm Weihnachtsbaum

© Brigitte Obermaier, München, 2001-12-18

Das Fest der Liebe, der Gemeinsamkeit, so wird das Weihnachtsfest immer wieder betont.

Liebe und Gemeinsamkeit.

Nicht für alle.

Mit wem sollte Walter reden.

Er raffte all seine Kraft zusammen und verlies die Triste Studentenbude.

Schleppte sich mühselig zu seinem Elternhaus.

Seine Eltern waren schon längst gestorben. Petra wohnte mit dem jüngeren Bruder Florian, der gerade seine Lehre fertig machte,  noch dort.

Walter  wollte wieder Lachen und über Themen reden, nicht mit sich selbst, mit Gleichgesinnten.

Die Haustür war schon längst offen.

Gedankenverloren hatte er geläutet, obwohl er eigentlich noch einen Hauschlüssel besaß. Petra sah ihren Bruder an und stupste ihn am Ärmel.

„Hey Walter, von wem träumst du denn?"  fragte Petra und zog den älteren Bruder in die Küchenstube.

"Hallo Schwesterchen!“ sagte er gequält.

„Wir wollten auf den Weihnachtsmarkt! Meinst du wir können das in die Tat umsetzen, so wie du aussiehst. Könnte man das Fürchten lernen.“

Walter schüttelte sich wie ein nasser Pudel und sagte mit krächzender Stimme: „Na gut, können wir los?“

"Na also, dann komm" lachte sie aufatmend. Wenn er so sprach kam sein warmes Bruderherz wieder zu Tage. Sie nahm ihm bei der Hand und verließen die elterliche Wohnung.

In der Innenstadt begann die mit Kopfsteinpflaster belegte Fußgängerzone

Petra war in ihrem Element. Wunderschöne Handtaschen waren im Schaufenster von einem Lederwarengeschäft zu erkennen. Geschenkpapier gab es in verschiedenen Farbschattierungen. Petra entdeckte immer wieder neue Präsente.

Petra wollte eine Überraschung für Walter besorgen und trennte sich von ihm: „In einer Stunde treffen wir uns am Schaschlik-Stand vom Huber Franz, einverstanden?“

 

Walter ging weiter. Seine Tief-Stimmung holte ihn erneut ein. Der Schnee in der Innenstadt war mit dunklem Matsch gemischt. Genau wie seine Stimmung. Lustlos beförderte er eine nassen Schnee vor sich her.

Da ein beleuchtetes Fenster mit zarten Dessous. Walter blickte noch einmal ins Schaufenster. Er sah blitzende Augen. War das Shirley? Die Freundin von seiner Schwester.

Er blieb vor dem Schaufenster stehen und fing zu träumen an. Lange braune Haare und ihre Haut pfirsichzart. Sie winkte ihm zu und schwenkte ein kleines rotes Päckchen in der Hand. Letztes Jahr, das war eine Ewigkeit her. Sie waren zusammen gewesen, Shirley und er,  um Weihnachtsgeschenke zu kaufen.

„Shirley!“ ein lauter Seufzer kam über seine Lippen. Er hatte sich tatsächlich in sie verliebt, obwohl diese Liebe gleich wieder zerplatzen musste, da Shirley im Januar zurück nach Australien flog. Die Chancen waren gleich Null und er machte sich keine Illusionen vor. Leider! Oder doch?

Sie war zurück in ihr zu Hause geflogen. Weihnachten bei dreißig Grad in Australien und hier in Deutschland minus ein Grad. Welch großer Unterschied.

Ein schnellvorbeieilender, dick eingemummter älterer Herr übersah Walter und rempelte ihn an.

Walter wurde aus seinen Träumen aufgeweckt. Die Gestalt im Schaufenster entpuppte sich als Verkäuferin, jedoch mit blonden langen Haaren die in die Auslage ein rotes Päckchen hinein manövrierte.

Die Seifenblase war geplatzt. Walter sah auf die Uhr und machte sich auf den Weg zum Treffpunkt.

"Hallo Bruderherz, pünktlich wie die Maurer. Stell dir vor, ich ging gerade durch das Kaufhaus und rate mal wen ich getroffen habe."

"Na los sag schon, du gibst ja doch keine Ruhe, solange du es nicht ausgeplaudert hast:“

"Shirley!"

"S h i r l e y?" Der Bruder dehnte das Wort in eine sanfte Länge.

"Ich dachte sie sei in Australien?" sagte er gefasst um seine Stimmung nicht preiszugeben.

„Sie hatte sich kurz entschlossen dem alten gemütlichen Deutschland einen Besuch abzustatten.“

Petra blickte in die Ferne und sprach weiter: „Und siehe da, schon kommt sie uns entgegen. Tschuldige, Bruderherz, ich habe sie eingeladen. Ist dir doch recht?“

Walter fixierte  die gleiche Richtung und hatte seinen Engel schon entdeckt. Ameisen kribbelten durch seinen Körper. Eine unsagbare Zärtlichkeit durchdrang seine Nervenbahn und breitete sich mit wärmenden Gefühlen durch seine Blutbahnen, die zu kochen anfingen. Er hatte das Gefühl sein Herz müsse zerspringen.

„Hello Walter!“

„Hi, Shirley!“

Unbefangen umarmte Shirley den Bruder ihrer Freundin. Sie freute sich wirklich, ihn wiederzusehen.

Petra sprach ohne Punkt und Komma: „Ich hole was zu Essen da ist ein Tisch frei nehmt einfach Platz ach ich habe keine Zeit ich muss schnell noch mal weg ich bin in zwei Stunden wieder da bis später!“

Walter und Shirley sahen verdutzt Petra an, die schon mit langen Schritten davoneilte. Beide mussten herzhaft lachen und sprachen wiederum gleichzeitig: „Was machen wir nun?“

Zuerst aßen sie zusammen ein Schaschlik und dann fragte sie Walter ob er schon Weihnachtsgeschenke besorgt hätte?

„Nein gar keine. Wollen wir zusammen etwas aussuchen?“

„Gute Idee!“ Sie hakte sich bei ihm ein und los ging es.

Shirley und Walter flirteten losgelöst durch die Weihnachtswelt.

„Ich habe alles was ich brauche, dank dir Shirley.“ Und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.

Lass uns zurückgehen und etwas warmes Trinken. Magst du noch den Glühwein oder bist du anderes gewohnt.“

Walter war in seinem aufgetautem Element und nahm Shirley’s Hand. Gemeinsam liefen sie zum Treffpunkt zurück. 

Der kalte Wind hatte ihre Wangen erröten lassen. „Die Weihnachtszeit in Deutschland ist kühler, als bei uns in Australien.“ Zärtlich streichelte Walter über ihre Wangen: „Darf ich dich wärmen?“

Shirley nahm die Frage dankbar an und drückte sich an seine warme Brust. Walter umklammerte sie zärtlich und fühlte wie aus den kribbelnden  Ameisen lauter bunte Schmetterlinge wurden.

Wie lange das dauerte konnte keiner von den Beiden sagen. Sie wurden ziemlich auffallend von Petra mit lauten Worten unterbrochen: „Hey, nach was sieht denn das aus?“

Shirley wurde unter ihre kalten Röte dunkelrot. Zog sich aus der Umklammerung und rief beiden zu: „Ich muss gehen. Wir sehen uns Morgen Petra, wie versprochen.“ Mit weicher Stimme sprach sie mit Blicken nur zu ihm hin: „Auf Wiedersehen Walter und danke!“ Das Danke kam nur noch flüsternd hervor.

Petra umarmte Shirley kurz und sagte: „Also bis Morgen. Außer du hast heute Zeit, dann melde ich.“

„Komm wir gehen nach Hause!“ Walter nickte schweigend und folgte seiner Schwester.

Walter verschwand sofort im Wohnzimmer. In einer Ecke stand seine Gitarre, die er beim letzten Male vergessen hatte und spielte darauf herum.

Bruder Florian holte ihn wenig später zum Essen.

Walter wollte nicht sofort: „Ich muss das fertig komponieren, dann komme ich sofort.“

Sein Bruder war viel zu neugierig und drängte Walter: „Los erzähl schon. Wie war sie?“

„WER, WIE?“

„Na, Shirley, du hast sie doch getroffen. Ich weiss das von Petra, sie hat es mir erzählt.“

„Ah unsere Plaudertasche hat ihre Silben über dich ausgeschüttet.“

„Hat sie sich verändert? Hat sie immer noch langes seidiges Haar?“

„Ja sie ist zu Besuch hier. Sie ist immer noch hübsch und sie hat immer noch seidiges langes Haar. Alle Fragen beantwortet? Dann lass mich fertig machen.“

Petra und Florian unterhielten sich in zwei Sätzen über Shirley und Walter und vergaßen das Thema wieder.

Walter war in die träumerische Welt gesunken. Shirley stand vor ihm und seine Noten plätscherten durch die Gitarre auf sein Notenpapier. Locker und leicht, als wenn er nie was anderes getan hätte.

Walter verabschiedete sich und zog sich in seine Studentenbude zurück.

Am nächsten Morgen war er pünktlich zum Frühstücken wieder da.

„Hoppla, ist dir das Brot ausgegangen oder die Wurst?“ sprach Petra und deutete auf den Stuhl. „Hast du nicht den Pulli letztes Jahr von Shirley zum Geburtstag bekommen? Oder täusche ich mich?“

Walter brauchte nicht zu antworten. Es läutete an der Haustüre und er sprang auf um zu öffnen. Petra sah ihm sprachlos nach. So kannte sie Walter gar nicht. Sonst konnte es läuten so viel es mag, er öffnete nicht. Und heute? Sie hörte die Stimmer ihrer Freundin.

„Shirley tritt ein!“

„Ich denke du wohnst nicht mehr hier?“

„Ja, nein, ich hatte kein Brot zu Hause und wollte hier Frühstücken.“

Er geleitete sie in die Wohnstube.

„Bin ich zu früh?“ sagte Shirley, als Petra zur Küche lief.

„Nein, nein!“ rief sie „ich habe schon mal den Teig vorgefertigt. Wir wollten doch Plätzchen packen. Oder irre ich mich?“

„Selbstverständlich wollten WIR das, wir kommen gleich.“ Sagte Shirley bestimmt und zu Walter gewandt. „Ich muss mich entschuldigen, ich habe deine CD vergessen. Sie liegt in Australien. Bist du mir böse? Sie erinnert mich immer wieder an dich, in der Ferne.“

Walter hauchte ein „Nein, behalte sie nur.“ Und nahm Shirley bei der Hand. „Komm“

Beide betraten Händchen haltend die Küche.

Petra platzte der Kragen, als sie die beiden in der Küchentüre stehen sah. Nun konnte sie allein den Teig verarbeiten, das war Schnee-Sonnen-klar : „Ich dachte IHR wolltet helfen?“

Petra konnte es sich nicht verkneifen und etwas restlichen Teig Richtung Bruder zu werfen. Sie traf  ihn siegessicher und das Mehl stäubte ihn in eine weiße Wolke ein. Shirley strich die Spuren aus seinem Gesicht und kam ihm gefährlich nahe: „Du hast noch ein paar Mehlspuren in deinem Gesicht.“

Shirley versank in seine wasserblauen Augen. Sie hoffte er würde sie jetzt und hier küssen. Unter dem Mistelzweig der oben am Türrahmen hang.

Walter sah die Misteln über sich baumeln und küsste sie schnell auf die Wange.

Petra buxierte beide aus der Wohnung und sagte: „Geht mal eine Runde spazieren. So wie das aussieht, werden bestimmt keine  ordentliche Plätzchen entstehen. Ich mach alleine weiter.“

Der Schnee knirschte unter den Füßen.

Walter wurde wieder mutig und legte den Arm vorsichtig um ihre Schulter und murmelte: „Ich wärme dich!“ Shirley lies es sich gefallen und kuschelte sich so gut es ging in seinen Arm.

Eine alte Oma kam mit einem Mädchen vorbei. Sie hatte blonde Zöpfe und war warm angezogen.

Die Oma hatte sofort Walter und Shirley erkannt und sprach zur Kleinen:

„Christinchen, kennst du Shirley noch? Sie wohnt jetzt weit, weit weg.“

„Ja ich weiß, in Australien und das ist Walter, der ist bestimmt jetzt ihr Freund. Ich durfte mit ihm letztes Jahr einmal Eis essen gehen.“

„Stimmt“ sagte die Oma, „das war an deinem Geburtstag. Ich erinnere mich.“

Walter stimmte dem zu und machte der Oma den Vorschlag: „Was halten sie davon? Wir werden Christinchen mit auf den Weihnachtsmarkt nehmen und sie können in Ruhe mal alleine einen Einkaufsbummel machen. Bestimmt haben sie vieles für das Christkind zu erledigen?“

Die Oma war überglücklich, endlich mal ein paar Stunden für sich zu haben und blickte Christinchen an: „Na, was meinst du dazu? Willst Du?“

Christinchen hoppste umher und rief ganz laut Ja, dass wird bestimmt wunderschön. Sie hatte sich zwischen Shirley und Walter gedrängt und beide bei der Hand genommen. Schon zogen sie von dannen.

Shirley versprach das Kind heim nach Hause zu bringen und machte eine Uhrzeit aus.

Zu dritt sprangen sie durch die weiße Winterpracht. Lachten über jeden Scherz und vergnügten sich zu dritt.

Ein uraltes Weihnachtskarussell lud mit seiner Musik zum Mitsingen ein. Christinchen bettelte und durfte mit dem Karussell fahren. Walter hatte gleich drei Tickets gekauft.

Er stand neben Shirley. hielt ihre Hand und flüsterte leise zu Ihr:. „Du bist wunderschön.  Du bist mein Weihnachtsengel, den ich mir so sehr gewünscht habe.“ Er strich ihr über die Wange, dass sich Shirley gefallen lies und langsam fanden sich ihre Lippen zu einem zarten Kuss.

Christinchen stand auf einmal neben den Beiden. „Ich habe alle Tickets abgefahren und was machen wir jetzt?“

„Wir gehen zu Petra nach Hause und schauen, ob der Nikolaus kommt!“

Christinchen war begeistert und umarmte Petra. „Meine Oma hat gesagt, ich darf den Nachmittag bei Euch verbringen.“

Petra traf Christinchen des öfteren, da sie gleich nebenan wohnten. Das Schicksal ging ihr schwer zu Herzen. Die Oma war nicht mehr die jüngste. Die Eltern von Christinchen waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Christinchen hatte nur noch die Oma und einen Verwandten in Australien. Das erzählte sie alles Shirley, die losgelöst auf einer kleinen Wolke durch die Welt schwirrte und von dem alles nicht viel mitbekam. Australien war ein Stichwort, dass sie wieder herunterholte. „Australien, richtig. Weißt du wo er wohnt?“

Christinchen antworte schneller  als es Petra erwartet hatte: „In Pörs oder so. Onkel William wohnt schon lange dort. Ich habe Fotos von ihm und auf dem Videofilm habe ich ihn lachen gesehen, mit seiner Frau zusammen. Oma hat gesagt, irgendwann Mal darf ich zu ihm fliegen. Nur das Ticket ist zu teuer, sagt sie. Onkel William schrieb viele Briefe an die Oma und Oma musste dann immer weinen, weil er so weit weg ist.“

Shirley sagte: „Perth meinst du bestimmt, da wohne ich auch. Weißt du was, wir werden das mal unter einen Hut bringen und dann nehme ich dich mit.“

Walter war verschwunden, nachdem sie die Wohnung betreten hatten.

Lautes pochen erklang an der Haustüre.

Petra und Shirley blickten auf. Christinchen erschrak und lief in die Arme von Shirley: „Was war das?“

Petra stupste Christinchen an der Schulter: „Na geh nur, mach mal auf, das ist bestimmt für dich!“

„Aber ich wohne doch gar nicht hier.“

„Macht nichts, derjenige der da klopft, weiss bestimmt, dass du bei uns zu Besuch bist.“

Schüchtern öffnete Christinchen die Haustüre: „Oh, du bist es. Der heilige Nikolaus ist da. Komm herein. Petra hat gesagt, ich darf dich hereinlassen.“ Sie lief voraus und schaute sich um: „Wo ist Walter? Der soll auch den Nikolaus sehen.“

Christinchen war ganz aufgeregt.

Der Weihnachtsmann lies Christinchen ein Gedicht aufsagen und leerte seinen Sack mit Geschenken aus. Wie ein Spuk war das alles, als schon wieder die Tür hinter ihm ins Schloss fiel.

Fünf Minuten später kam Walter frohgelaunt in die Stube.

„Jetzt hätte ich Hunger. Was gibt es zu Essen?“

Christinchen lief auf Walter zu: „Jetzt hast du was verpasst. Der Nikolaus war da und hat mir ein Geschenk gebracht und Orangen und, und, und ........“

Walter war glücklich und Nahm Christinchen auf den Arm.

„Ich hab ihn gesehen. Er ist gerade bei den Nachbarn ins Haus gegangen. Hast du schon dein Geschenk ausgepackt?“

Christinchen packte rasch ihr Geschenk aus und eine wunderschöne Puppe kam zum Vorschein.

„Aber, dass ist ja die aus dem Schaufenster von heute Nachmittag, gleich neben dem Karussell. Wie hat der Nikolaus das so schnell herausgefunden? Ihr habt nicht geholfen, das weiss ich, ihr ward immer beieinander gestanden, ganz eng und habt euch geküsst. Stimmts?“

Petra horchte auf und lächelte. Da wird doch nicht etwas verpasst haben?

Sie zog die Stirne kraus, sagte nichts und beobachtete die Beiden intensiver.

Petra musste feststellen, dass da mehr war als ihre Freundin und ihr Bruder. Die Beiden hatten sich verliebt ineinander.

Der Weihnachtsabend kam schnell heran und an diesem Abend wurde Verlobung gefeiert. Walter und Shirley schwebten zusammen im Liebes-Himmel.

 

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